Compumedics rettet Leben


Einfach weltklasse! Die Produkte des Singener Unternehmens sind unter der Marke DWL bei Neurologen in aller Welt bekannt

Wenige Unternehmen verdienen das Prädikat „Einfach weltklasse“ so sehr wie die Compumedics Germany GmbH in Singen. Das Medizintechnik-Unternehmen ist klein, aber dennoch auf der ganzen Welt zuhause. Nur 25 Mitarbeiter beschäftigt das 1991 von drei jungen Ingenieuren gegründete Unternehmen. Doch seine Produkte werden in 120 Ländern eingesetzt – und retten dort Leben. Sie tragen dazu bei, Menschen vor einem Schlaganfall zu bewahren. Erfolgreich ist das Unternehmen, weil es eine Technologie beherrscht, mit der sich weltweit nur eine Handvoll Anbieter beschäftigt, und weil es ganz nah an seinen Kunden, den Ärzten, ist und deren Anforderungen in praxistaugliche Technik umsetzt.

Unter dem Markennamen DWL produziert die Compumedics Germany GmbH Geräte, mit denen der Arzt die Gefahr eines Schlaganfalls auf einfache Weise feststellen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen verordnen kann.

Der Schlaganfall ist die Folge einer mangelhaften Durchblutung des Gehirns infolge verstopfter Adern. Wenn man auf einfache Weise feststellen könnte, wie gut die Blutversorgung des Gehirns funktioniert, könnte man bei drohender Unterversorgung dieses wichtigen Organs rechtzeitig eingreifen, zum Beispiel durch blutverdünnende Mittel. Das war die Überlegung der Erfinder der Transkraniellen Dopplersonographie. Bei diesem Verfahren werden durch den Schädel hindurch (transkraniell) Ultraschallsignale in die Blutgefäße gelenkt. Die sich bewegenden roten Blutkörperchen reflektieren die Ultraschallsignale mit veränderten Frequenzen. Daraus errechnet ein Computer die Geschwindigkeit, mit der das Blut fließt. Langsamer oder ungewöhnlich hoher Blutfluss bedeuten Alarm.

So weit das Prinzip. Die Ingenieure, die das Unternehmen unter dem Namen DWL gründeten, verfeinerten die Technik so weit, dass es heute ein breites Spektrum von Anwendungsgebieten für die Dopplersonographie gibt, von der Neurologie, Herzchirurgie und Anästhesie bis hin zur schmerzlosen Beseitigung von Hämorrhoiden. Fast jeder Neurologe und fast jedes Krankenhaus auf der Welt arbeitet mit einem solchen Gerät. Denn das Verfahren ist schnell, einfach und völlig frei von Nebenwirkungen. Der Arzt legt eine kleine Sonde seitlich an den Kopf. Dort gibt es eine Stelle, an der die Schädelwand so dünn ist, dass die Ultraschallwellen sie durchdringen können. Die Sonde ist mit dem DWL-Gerät verbunden. Es zeigt auf einem Monitor den Blutfluss grafisch an. Über Lautsprecher kann der Arzt die Strömung auch hören. Er kann Embolien orten und sogar feststellen, ob sie fest oder gasförmig sind. Im Operationssaal verwendet der Anästhesist das Gerät, um den Blutfluss zu kontrollieren, denn bei großen Eingriffen besteht die Gefahr, dass Material in die Blutbahn gelangt und ein Gefäß verstopft. Compumedics bietet eine Palette dieser Geräte an – vom kleinen tragbaren Handgerät bis zum großen stationären Gerät. Die Preise reichen von 10 000 bis 30 000 Euro.

Nur wenige Medizintechnik-Hersteller beherrschen dieses spezielle Gebiet. Das Singener Unternehmen ist die Nummer eins. „Wir haben einen Marktanteil von weltweit 45 Prozent“, sagt Christoph Witte, Geschäftsführer der Compumedics Germany GmbH. Die Nummer zwei, ein US-Unternehmen, kommt auf 35 Prozent. Den Rest teilen sich einige ganz kleine Hersteller.

Wie kam Compumedics zu der starken Stellung? „Wir sind eine sehr schlagkräftige kleine Firma“, sagt Witte. Enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Professoren sorgt dafür, dass die Produkte stets den Anforderungen der Kunden entsprechen. Die Entwicklungsabteilung treibt die Technik stetig weiter voran.

Das hohe Ansehen der DWL-Technik führt dazu, dass Medizintechnik-Händler aus aller Welt sich um die Zusammenarbeit mit Compumedics bemühen. Das Unternehmen arbeitet mit den meisten Vertriebspartnern seit Langem zusammen und schult sie intensiv.

Der Erfolg beruht auch auf dem Gütesiegel „Made in Germany“. „Es hat in der Medizintechnik einen hervorragenden Ruf“, so Witte. Das Singener Unternehmen bezieht alle Teile für die Montage seiner Geräte aus der Region. „Wir haben es früher auch mal mit Asien versucht, aber das war am Ende teurer“, berichtet der Geschäftsführer. Als Markt spielt Asien heute aber eine bedeutende Rolle. China ist mit einem Umsatzanteil von 15 Prozent der größte Abnehmer der DWL-Geräte. „Es zahlt sich jetzt aus, dass wir den Markt schon seit mehr als 10 Jahre bearbeiten und immer genau darauf gehört haben, wie die Chinesen mit unserer Technologie arbeiten wollen“, erklärt Witte. Der Marktanteil von Compumedics liege in China heute bei 60 bis 70 Prozent.